Ausgeschlafen und motiviert sitze ich am PC. Heute will ich meinen ersten Blogartikel schreiben zum Thema Achtsamkeit.
So?
Fragen jagen mir durch den Kopf. „Liest das überhaupt jemand?“ „Was genau soll ich schreiben?“ Fahrig lese ich sicherheitshalber in mehreren Quellen zur Gestaltung von Blogbeiträgen nach. „Welche Vorgehensweise ist bloß die Richtige?“ Ich werde unruhig. Ich folge dem Impuls, mir etwas zu essen zu holen, obwohl ich erst vor kurzem gefrühstückt habe.
Die Zeit vergeht, ich bringe nichts zu Papier. Ich ärgere mich darüber, dass ich blockiert bin. Was, wenn mir das morgen und übermorgen genauso ergeht? Die Zweifel wachsen, die Motivation ist futsch. Nur das Pflichtgefühl verbietet mir jetzt aufzuhören.
Oder so?
Ich bemerke, dass mir viele Fragen durch den Kopf gehen. Ich spüre, mein Herz klopft wie verrückt. Mir wird klar, dass ich aufgeregt bin, weil eine neue Herausforderung mir liegt. Ich schmunzele ein wenig in mich hinein, dass es mir trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung so geht wie vor der ersten Tanzstunde. Es darf sein.
Wie finde ich den Einstieg in das Schreiben? Ich sage mir innerlich: „Ich schreibe das erst mal nur für mich“. Nach einigen holprigen Sätzen gelange ich immer mehr in einen Schreibfluss.
Was ist Achtsamkeit eigentlich genau?
Achtsamkeit bedeutet, dass „etwas“ aufmerksam und unvoreingenommen beobachtet wird. Die Wahrnehmung kann sich sich entweder auf äußere Objekte (andere Menschen, Pflanzen, Tiere, Autos und andere Gegenstände) richten oder auf innere Ereignisse, wie Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen.
Es geht um das bloße Beobachten dessen, was im gegenwärtigen Augenblick ist, ohne gedanklich oder emotional darauf zu reagieren oder Handlungsimpulsen zu folgen. Achtsamkeit ist nicht mit Konzentration oder Entspannung zu verwechseln.
Unvoreingenommen sein heißt, nicht zu bewerten, was Sie innerlich denken und fühlen oder mit Ihren Sinnen äußerlich wahrnehmen (sehen, hören, riechen, schmecken und tasten).
Grundsätzlich ist jedem Menschen Achtsamkeit angeboren.
Trotzdem ist sie nicht einfach zugänglich. Unser Gehirn ist so strukturiert, dass es möglichst auf Autopilot läuft, um Energie zu sparen. Hinzu kommt, dass heute in unserer Umgebung alles nach Aufmerksamkeit schreit und uns dadurch ablenkt.
Achtsamkeit setzt daher die Absicht zu fokussierter bewusster Aufmerksamkeit voraus. Achtsamkeitsübungen wurden vor Tausenden von Jahren von buddhistischen Mönchen entwickelt. Das zeigt, dass Achtsamkeit auch in deutlich reizärmerer Umgebung schon geübt wurde.
Was Sie mit Achtsamkeit gewinnen können
Allgemein führt die Schulung der Achtsamkeit u.a. zu innerem Frieden, Gelassenheit, Mitgefühl und Mitfreude und damit zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Die positiven Effekte von angewendeter Achtsamkeit auf die physische und psychische Gesundheit wurden inzwischen wissenschaftlich vielfach untersucht und belegt.
Für Menschen, die dazu neigen, sich oft selbst zu kritisieren (z.B. für ungenügende Leistungen), führt bereits die bewusste Wahrnehmung abwertender Gedanken dazu, dass diese weniger oft auftreten.
Hochwirksame persönliche Veränderung
Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass Achtsamkeit die Voraussetzung für jede Veränderung ist.
In unserer Gesellschaft wird versucht, Veränderung durch Tun und In-Ordnung-Bringen herbeizuführen. Doch dieses Prinzip von Ursache und Wirkung funktioniert im Bereich Beziehung nicht. Das gilt nicht nur für die Beziehung zu anderen Menschen, sondern vor allem für den Kontakt zu sich selbst.
Bereits der griechische Philosoph Heraklit erkannte vor rd. 2.500 Jahren, dass alles im Fluss ist. Wenn wir also davon ausgehen, dass Veränderung der natürliche Lauf der Dinge ist und daher auch ohne unser Zutun geschieht, können wir einen anderen Weg ausprobieren, den Weg des „Dabei-Sein-und Zulassens“ (Ann Weiser-Cornell). Das geschieht mit Achtsamkeit und aufmerksamer Zuwendung.
Achtsamkeit hängt auch eng mit der Wertschätzung zusammen, die Sie sich selbst entgegenbringen, wenn Sie Ihre Empfindungen, Ihren Körper und Ihre Bedürfnisse wahr-nehmen.
Achtsamkeit im Alltag
Im Alltag gibt es viele berufliche und private Aufgaben zu erledigen, oftmals unter dem Gefühl von Zeitnot. Wir funktionieren dann auf Autopilot und denken bei einer Aufgabe bereits an die nächste(n). Bei dieser Form von Alltagsbewusstsein können wir nicht achtsam sein.
Möglicherweise haben Sie schon Erfahrungen mit Achtsamkeit, z.B. wenn Sie regelmäßig meditieren. Doch lässt sich Achtsamkeit auch ganz leicht im Alltag praktizieren.
In meinem früheren Büro stand der Kopierer in der Nähe eines Fensters. Wenn ich zum Kopierer ging, nutzte ich oft die Gelegenheit und schaute bewusst einfach nur hinaus ins Grüne und erlebte … einige Augenblicke gedanklicher Stille.
Sie können z.B. einen Moment innehalten, wenn Sie vor einer roten Ampel warten oder wenn Sie eine neue Tätigkeit beginnen.
Am einfachsten ist es, wenn Sie Ihre Achtsamkeit auf den Körper richten. Wenn Sie sich z.B. den Atem mit dem Heben und Senken des Brustkorbs fokussieren, können Sie sich nicht gleichzeitig sorgenvolle Gedanken machen.
Bitte probieren Sie es möglichst jetzt gleich aus – nur eine Minute!
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